
Jörg Lautenschläger (CDU) ist bisher weitgehend unerwähnt geblieben. Seit 2007 ist er Bürgermeister der Gemeinde Modautal. Er wohnt in Herrchenrode. Ein ruhiger Modautaler Ortsteil ohne Durchgangsverkehr, aber mit vielen Pferdeställen.
Das Flugblatt habe die Lage in Neunkirchen falsch und irreführend dargestellt, deshalb veröffentlicht Lautenschläger auf der Homepage der Gemeinde eine Informationsschrift unter dem Titel „Fragen und Antworten“ (https://www.modautal.de/der-buergermeister-informiert), die 21 Punkte umfasst (ich werde hier nicht auf alle Punkte eingehen).
Auffällig daran ist, dass das Vorhaben darin vor allem kommunikativ relativiert und wirtschaftlich begründet wird.
Bereits die erste Antwort wirft weitere Fragen auf: „…. geplante GewerbetriebE“. Betriebe, Mehrzahl? Bisher war doch nur von einem Betrieb die Rede, nämlich der Erweiterung von Walter Nicklas’ Betrieb. Nur ein Tippfehler?
Antwort 9 stellt das Projekt so dar, als handele es sich noch immer um einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“. Das war Stand der Dinge in 2024. In 2026 geht es um einen „angebotsbezogenen Bebauungsplan“.
Zudem bleibt unklar, ob das Forstunternehmen Nicklas bereits seit über 70 Jahren besteht. Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb der Familie Nicklas dürfte so alt sein, das Gewerbe von Walter Nicklas nicht. Damit werden erneut zwei Ebenen vermischt, die getrennt zu bewerten sind.
Auch Antwort 10 ist leider unpräzise. Die Halle ist nicht bereits seit 15 Jahren genehmigt und erbaut, sondern ist aus dem Jahr 2014, also 12 Jahre alt. Das mag unwichtig erscheinen, ich finde allerdings, es macht einen Unterschied.
Wer trägt die Kosten?
Antwort 12 bezieht sich auf die Frage der Kostenübernahme. Die gesamten Kosten trägt der Antragssteller, Walter Nicklas, derzeit 66 Jahre alt. Wenn man sich den Planungsentwurf anschaut, wird klar, dass es sich um gewaltige Kosten handelt, die Nicklas stemmen müsste, wenn der Betrieb tatsächlich erweitert wrid: Anbau an die Halle, Ausbau der Straße, ggf ein Trafohäuschen, um die Stromversorgung sicherzustellen, Anschluss an den Kanal. Hier drängen sich weitere Fragen auf: Lohnt sich diese Investition für einen holzverarbeitenden Betrieb in konjunkturell schwierigen Zeiten? Oder ist nicht etwas ganz anderes geplant, nämlich möglicherweise eine Veräußerung der Fläche nach Anerkennung als Gewerbefläche an einen bereits im Hintergrund agierenden Investor? Und welche Folgekosten kommen eigentlich auf die Gemeinde und damit die Neunkircher zu? Auf diese Frage werde ich zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.
Dem Ortsbeirat lagen nicht alle Unterlagen vor
Antwort 14 „wie haben die Gremien abgestimmt“ ist ebenfalls ungenau. Aus Sicht des Bürgermeisters hat der Ortsbeirat Neunkirchen dem Vorhaben bereits im September 2024 zugestimmt. Damals lag allerdings noch kein Vorentwurf vor, dem der Ortsbeirat hätte zustimmen können, daher hat das Gremium lediglich Empfehlungen abgegeben können (Art des Betriebs, Lärmschutz, Betriebszeiten, siehe Post „Der Bauantrag“). 2025 wurde dann, wie beschrieben, der angebotsbezogene Plan seitens des Bürgermeisters favorisiert. Dieser Vorschlag ließ aber so viele Fragen offen, dass der Ortsbeirat ihm nicht zustimmen konnte. Bei der dritten Ortsbeiratssitzung am 5. Februar 2026 stellte sich schließlich heraus, dass dem Ortsbeirat die erforderlichen Unterlagen, nämlich der 77-seitige Vorentwurf des Büros IP-Konzept, nicht vorlag. Das Gremium hatte also erneut keine Entscheidungsgrundlage. Dem Bürgermeister zugute halten darf man an dieser Stelle, dass er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des FAQ offenbar noch davon ausging, dass dem Ortsbeirat alle erforderlichen Unterlagen fristgerecht vorlagen.
Auch Antwort 16 ist interessant: Die Anwohner sollen vor weiterem Lärm geschützt werden. Daher soll es einen Lärmschutzwall zur angrenzenden Wohnbebauung geben. Achtung, es wird wieder kompliziert… Als reines Wohngebiet ist lediglich das Neubaugebiet „Ehemaliger Campingplatz“ unterhalb (nördlich) der Halle definiert. Dort gelten andere Lärmobergrenzen, daher die Idee mit dem Lärmschutzwall. Die Bebauung nordwestlich der Halle, nur wenig weiter entfernt, ist als Dorfgebiet definiert. Hier darf es per Definition lauter werden. Also scheint auch kein Lärmschutz nötig.
Gewerbe ist wichtig für die Kommune
Antwort 18 ist absolut richtig. Selbstverständlich sind Gewerbebetriebe und Arbeitsplätze für Modautal wichtig. Natürlich. Weder die Mitglieder der Bürgerinitiative BIeNe noch die Anwohner sind gegen Gewerbe. Es kann jetzt halt keiner was dafür, dass die Arbeit in einem holzverarbeitenden Betrieb nicht unbedingt so gerne von Modautalern erledigt wird und daher der Forstbetrieb nicht so viele Arbeitsplätze für Modautaler schafft. Anders als bei anderen Modautaler Betrieben, auf die Antwort 21 Bezug nimmt.
Die Firma Klenk (Asbach) beschäftigt 140 Mitarbeiter https://www.uvsh.de/netzwerk/mitgliedsunternehmen/detailseite/klenk-sohn-gmbh-229), das Fuhrunternehmen Max Jung (jetzt ansässig in Klein-Bieberau, vormals in der Nachbarkommune Fischbachtal) 59 Mitarbeiter (https://www.wer-zu-wem.de/firma/max-jung-transporte.html) und die Metzgerei Rossmann in Lützelbach Stand 2024 35 zweibeinige sowie hunderte vierbeinige Mitarbeiter (https://fleischnet.de/news/musterbeispiel-im-odenwald/). Verlässliche Mitarbeiterzahlen von Walter Nicklas am Standort Modautal liegen nicht vor, nach letzten Informationen weniger als 10, wobei auch nicht klar ist, ob diese direkt bei ihm angestellt oder als Subunternehmer tätig sind.
Wenn ich von der Zahl der Mitarbeiter auf die Höhe der Gewerbesteuer schließen sollte, würde ich vermuten, dass Walter Nicklas wohl den geringsten Beitrag an Gewerbesteuer zahlt. Aber nichts desto trotz: jeder Euro zählt. Ich frage mich nur, ob das den Aufwand just an diesem Standort rechtfertigt …
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.